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13. 05. 2007 Teil 2

12:30 Uhr

ich sitze irgendwo mitten in den pyrenäen... schon mehrmals habe ich gedacht: "oh, jetzt muss ich oben sein..." und ebenfalls mehrmals wurde ich eines besseren belehrt. es scheint, als würde es kein ende nehmen. es geht immer noch höher. jedesmal, wenn ich erschöpft einen steilen anstieg hinter mich gebracht habe und um die nächste ecke komme, sehe ich: "ich bin noch lange nicht oben!"

ich kann nicht mehr... langsam fangen meine füße an zu schmerzen und ich muss all meine kraft aufbringen, um nicht weg zu wehen. der wind entwickelt sich schön langsam zu einem orkan und ich sehe menschen, die es hin und herweht. manche können sich nicht mehr auf den beinen halten. hier oben gibt es nichts, was den wind auch nur in irgendeiner form bremsen könnte. weder bäume, noch häuser, noch sonst was. klar, ich bin mitten in den pyrenäen, wo ICH jedenfalls denke, höher geht es nicht. ich bin nun durchgelaufen seit maike und ich uns getrennt haben, aber nun brauche ich eine pause. ich sitze zwischen ein paar großen steinen, aber der wind pfeifft von allen seiten auch hier hindurch.

mir ist vorhin mein bandana, was ich fest und meinen kopf geknotet hatte, weg geweht und ich musste ersteinmal ein paar meter vom weg ab in die wiese laufen, um es wieder einzusammeln. extrem ist es, wenn der wind zwischen meinen rucksack und meinen rücken weht und den rucksack nach hinten, links oder rechts zieht. weiterlaufen geht dann nicht mehr. ich muss stehen bleiben und mich mit aller kraft gegen den wind stemmen, um das gleichgewicht nicht zu verlieren. einige pilger werden von einer böe überrascht und stürzen zu boden. es scheint, als würden die pilger wie blätter vom wind durch die lüfte geweht...

auch, wenn ich nicht daran geglaubt habe, dass ich auf diesem weg zu gott finde: spätestens jetzt bin ich mir sicher: es gibt ihn nicht! oder es ist kein GUTER gott. denn, wenn er GUT wäre, würde er mich nicht so dafür strafen, wenn ich schon diese anstrengungen auf mich nehme...

wenigstens ist es wunderschön hier... sonst würde ich wohl durchdrehen... aber ich merke, dass meine grenze beinahe erreicht ist. ich will endlich oben sein. dieser anstieg verlangt mir alle kraft ab und ich weiss nicht, wie lange ich dieses tempo durchhalte. so lange kann ich mir aber auch keine zeit lassen. ich weiß ja nicht, wie weit es noch ist und ich will hier nicht im dunkeln noch rumwandern.

also mache ich mich wieder auf den weg... ich muss ja schließlich ankommen, koste es, was es wolle. und ich werde das auch durchhalten. ich hab es mir fest vorgenommen und dann schaff ich das auch!

14:00 Uhr

so, ich dachte vor ca. 1,5 stunden, dass ich endlich oben wäre. denn es ging eine weile auf einem wunderschönen waldweg gerade und leicht abwärts. das war so angenehm zu laufen. die bäume halten den starken wind etwas ab und ich lief ca. eine stunde lang gemütlich über diesen einfach zu gehenden weg.

nun stehe ich erneut vor einer steigung. ich war also noch nicht oben. ich sehe eine unendlich scheinende geröllpiste, die steil nach oben führt. die ersten tränen laufen mir über die wangen. ich kann nicht mehr! ich habe keine ahnung, wieviele km ich bereits geschafft habe und wieviele noch vor mir liegen. bevor ich angefangen habe, diesen weg zu gehen, hatte ich eindeutig ein anderes gefühl, was meter und km angeht. ich habe das gefühl, schon mindestens 30 km gelaufen sein zu müssen.

verdammt, ich will nicht mehr. meine füße schmerzen und ich will einfach nicht mehr bergauf laufen. ich bin mir sicher, dass ich mir eindeutig zu viel zugemutet habe. wenn ich mich umsehe, sehe ich rentner und frage mich, wie die fiter und trainierter sein können als ich. wenn die das schaffen, schaff ich das auch... nur wie???

es hilft nichts, ich muss weiter. hier fährt kein auto und die nummer von einem notfallhelicopterdienst habe ich nicht...

 

1.6.07 23:35
 


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